Fuck

04.08.2020

Gestörte Wahrnehmung


Information zum Buch


Autor:  F.E. Møle

Erscheinungsdatum:  1 September 2020

Buchlänge: 235 Seiten

Format: Taschenbuch

Genre: Psychothriller

Verlag: Self-Publish 



Klappentext


Yessica sehnt sich nach Liebe. Und das um jeden Preis. Doch Hassan sieht mehr in ihr als eine Partnerin. Oder weniger: Er will mit ihr Geld verdienen. So dauert es nicht lange, bis sie auf dem Straßenstrich landet. Diese Arbeit setzt ihr mehr zu, als sie zugibt. Denn alte Wunden reißen auf. Es gibt kein Entkommen. Kein Zurück. Warum stirbt einer ihrer Stammkunden? Welche Rolle spielt ihre Freundin Dana dabei? Und ist auch ihr eigenes Leben in Gefahr? 


Rezension


Vorab möchte ich dem netten Autoren dafür danken, dass er mir sein Werk als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Steigen wir einmal ein und beginnen mit der bloßen Optik. Vorerst möchte man meinen, okay, das Cover an sich hält sich durch seine gedämpften dunklen Töne dezent im Hintergrund. Zu sehen ist eine einsame Straße, eine Laterne und eine simple Parkbank. Doch wer die Geschichte gelesen hat, der kann diesen Ort genau deuten und weiß, inwiefern dieser im Zusammenhang mit der Protagonistin steht. Nachdem ich das Buch beendet hatte, hat mir auch gleich die Gestaltung und der Gedanke dabei viel besser gefallen als wie der erste Eindruck es angedeutet hatte. 

Doch worum geht es? Wir erleben die Geschichte aus der Sicht des jungen Mädchens Yessica. Abgebrüht und nicht unbedingt sozialisiert, so wirkt sie vorab auf uns. So verliebt sich in den jungen Mann Hassan und gibt alles für ihn her. Sie riskiert alles und kennt keine Grenzen um die gnadenlose Liebe des Mannes zu gewinnen und ihn an sich zu binden. Dabei wirkt sie auf den Leser mehr als zu naiv. Ich musste einige Male mit dem Kopf schütteln. Demnach hat der Autor es auf jeden Fall geschafft, eine kleine Antipathie zwischen Protagonist und Leser zu entwickeln. 

Ebenfalls wird die schlechte Bindung zwischen Yessica und ihrer Mutter dargestellt. Sie kommt nicht an ihre Tochter heran. Keine Chance wird ihr gelassen um Kontakt zu ihr herzustellen, um ihr nah sein zu können und um verstehen zu können, was in dem Kopf ihrer jungen Tochter vor sich geht. Sicher ein mentaler Aspekt der gerade einigen Müttern unter den Lesern nah gehen könnte. 

Immer wieder werden wir in Situationen geschmissen, in denen die Abhängigkeit gegenüber Hassen verdeutlicht wird. Yessica scheint Liebe mit " Alles geben und nichts bekommen" zu verwechseln. Ein Nehmen und Geben gibt es demnach nicht. Reines passives Handeln von Hassan unterstreicht jegliche Situationen immer wieder. Wir regen uns auf und sind erschüttert über so ein Verhalten und diese Selbstverständlichkeit. Zumindest ging es mir so, während ich über die Zeilen geflogen bin. Wie kann ein junges Mädchen so abhängig sein? Wie kann sie wirklich denken das ein Mensch der einen liebt, so etwas von einem verlangt? 

Doch sie tut es, all das was er von ihr verlangt in der Hoffnung genug für ihn zu sein. 

Genau diese Entscheidung soll ihr zum Verhängnis werden. 

An sich ist der Story Verlauf sehr simpel und verständlich ausgedrückt. Wir verstricken uns nicht in schwierigen Szenarien die uns den Anschluss verlieren lassen. Alles hält sich ziemlich oberflächlich. 

Für mich gab es inhaltlich jedoch einen kleinen Aspekt, der sich mir nicht ganz erschlossen hat. Um nicht zu spoilern erwidere ich diesen nur äußerst oberflächlich. Yessica erfährt eine wirklich entscheidende Tatsache über ihren geliebten Hassan, diese wird aber meiner Meinung nach im weiteren Verlauf komplett ignoriert und gar nicht weiter darauf eingegangen. Ich denke das sich niemand ( und sei man noch so verliebt) sich so verhalten würde, wenn man auf solch eine Tatsache stößt. Falls ich mich hierbei täusche oder einen gewissen Schlüsselmoment verpasst habe, dann tut es mir sehr leid und ich freue mich immer über die Aufklärung. Demnach für mich aber ein Minuspunkt, da es mir hierbei an einem realistischen Verhalten fehlt. 

Yessica wirkt für mich als Protagonistin teilweise etwas nervig und anstrengend. Ihre Handlungen sind mir keinesfalls nachvollziehbar oder gar verständlich. Dadurch das sie einen gewissen Knackpunkt vollkommen ignoriert, weiß ich auch gar nicht so genau was ich von ihr halten soll. Trotzdem muss ich sagen, hat ihr lockerer Sprachgebrauch sie sehr wohl in gewisser Weise sehr persönlich und sympathisch gemacht. Nur leider auf Dauer viel zu naiv und kindlich. Ja, ich weiß sie ist auch noch ein junges Mädchen, trotz allem stellt sie die Weiblichkeit meiner Meinung nach zu Leichtsinnig dar. Das hat mich im Verlauf etwas gestört. 

Wo wir bei dem Thema Sprachgebrauch sind, gehen wir doch gleich einmal auf den Schreibstil ein. Dieser war für mich ein absolutes neues Erlebnis. So einen Schreibstil habe ich bisher noch nie erlebt !

Anfangs war mein erster Gedanke: Oh mein Gott, was ist das denn? Denn ich muss gleich vorweg sagen: So etwas muss man mögen oder sich gewollt mal auf eine andere Darstellung einlassen. Denn geschrieben wird durchgehend aus der Perspektive der jungen Protagonistin im kompletten simplen Sprachgebrauch wie junge Leute teilweise eben reden: Bist du  behindert? etc. Es gibt demnach keinerlei Momente einer Erzählerperspektive. Wir befinden uns durchgehend im Kopf von Yessica. Ich musste mich sehr stark an diesen Schreibstil gewöhnen, der mir wir ein nie endender Dialog erschien. Sehr einfach und oberflächlich gehalten, dadurch das natürlich auch nicht sonderlich viel in diesem Kopf vorging, das von sonderlicher Tiefe zeugte. Die erste Hälfte war ein kleiner Kampf für mich, ab der zweiten Hälfte konnte ich mich jedoch relativ gut daran gewöhnen und einige Dialoge haben mir auch ein kleines Schmunzeln auf das Gesicht gezaubert. Trotzdem hat es nicht zu 100% meinen Geschmack getroffen und ich brauche es nicht unbedingt wieder.

Konnte dieses Werk meine Erwartungen erfüllen?

Nein, leider so gar nicht und dies ist wohl auch der Punkt der mich am meisten neben dem Schreibstil und der Naivität der Protagonistin gestört hat. Denn, versprochen wird uns ein Psychothriller. Ich weiß man muss bedenken, ein Psychothriller spiegelt die Täuschung, Wahrnehmung und Wahrheit der Prota und Antagonisten wieder. Der Konflikt der sich zwischen den Hauptfiguren aufbaut und entfaltet. Geistig, Emotional oder auch physisch. Jedoch kam mir dafür einfach viel zu wenig. Thriller Aspekte habe ich im ganzen Sinne vollkommen vermisst. Wenn ich auch ihr vielleicht etwas verpasst habe, dann klärt mich darüber auf. Ansonsten bin ich wirklich etwas enttäuscht. Der eigentliche Grund der Täuschung und falschen Wahrnehmung ist mir einfach viel zu simpel gehalten und zu wenig in die Tiefe gedacht. Ich wünsche mir bei solch psychischen Spielchen viel mehr. Viel mehr Tiefgang und Hintergrund. Demnach muss ich leider gestehen, hat sich das Buch beim lesen für mich etwas gezogen. Ich war bereits bei der Hälfte angelangt und hatte noch rein gar keinen Thriller Moment erlebt, der mich für das Buch begeistern konnte. Erst ab der zweiten Hälfte hatte man das leichte Gefühl : Mensch, es tut sich was. Sehr schade ! 

Doch das Buch hat in meinen Augen auch beinahe eine traurige Botschaft. Denn extrem geschildert wird das Ausnutzen einer anderen Person. Diese gnadenlose Abhängigkeit mit der manche Leute durch ihr Leben gehen, das hat in mir einiges bewegt und zum nachdenken angeregt. Wenn Liebe blind macht, scheint in meinen Augen wohl die eigentliche Botschaft die hier sehr gut erläutert wurde. Es gibt viele Menschen die es mit einem nicht wirklich gut meinen, daher sei vorsichtig geboten. 


Fazit: Für mich ein Werk das mich nicht ganz von sich überzeugen konnte. Der Schreibstil in Richtung Jugendsprache wirkte auf mich zu Beginn ziemlich anstrengend und lästig. Ich musste mich erst sehr stark daran gewöhnen. Außerdem wirkten die Dramen zwischen den Protagonisten teils viel zu erzwungen auf mich, immer wieder bekam man das Gefühl: Jetzt muss was passieren! Und da war er auch, dieser Moment. Außerdem gab es gewisse Punkte in Sachen Nachvollziehbarkeit die ich nicht ganz verstehen habe und mir nicht zusagten. Das Buch bietet inhaltlich zu wenig und kann auch nicht durch seinen Tiefgang oder Vielfalt punkten. Wir verfolgen einen strikten roten Faden, der nicht all zu spektakulär ausgebaut wurde. Ich empfehle das Buch an vielleicht etwas jüngere Menschen, die in Sachen Thriller sich mal langsam einlesen wollen. Für mich einfach viel zu wenig und nicht sonderlich zum Kauf zu empfehlen. Trotz allem ist dies natürlich nur meine eigene Meinung und soll keinesfalls vom Kauf abraten. Von mir gibt es 2/5 Sterne.